Tunis
Tunis, die Hauptstadt Tunesiens, Verwaltungs-, Kultur-, Wirtschafts- und Verkehrszentrum des Landes, liegt auf einem etwa 3 km breiten hügeligen Landrücken, der die Lac de Tunis oder arabisch El-Bahira genannte flache Brackwasserlagune im Osten und Nordosten von dem ebenfalls sehr flachen Salzsee der Sebkha Es-Sedjoumi im Südwesten trennt. Der Lac de Tunis ist seewärts durch eine schmale Nehrung bis auf einen künstlich geschaffenen Durchlaß gänzlich vom offenen Mittelmeer abgeschnürt. Hier liegt La Goulette, der Außenhafen von Tunis, der durch einen 45 m breiten, die Lagune auf einer Länge von 10 km durchquerenden Kanal mit dem eigentlichen Stadthafen verbunden ist. Der Kanal wurde zusammen mit dem Stadthafen zwischen 1888 und 1896 von der französischen Protektoratsmacht erbaut, um Tunis auch für größere Schiffe erreichbar zu machen. Den Mittelpunkt von Tunis bildet die Medina genannte arabische Altstadt, die sowohl im Osten bis zum Hafen als auch im Norden und Süden von der europäisch anmutenden, modernen Neustadt umringt wird. Das engere Stadtgebiet von Tunis ist von einem halbkreisförmigen Kranz von Vororten umgeben, dessen Schwerpunkt im Küstenbereich des Mittelmeers liegt. Die drei Eckpunkte dieses Großraumes Tunis sind Gammarth im Norden, Hammam Lif am Südzipfel des Golfs von Tunis und La Manouba im Westen der Hauptstadt. Als Metropole des Landes besitzt Tunis zahlreiche Bildungs- und Kultureinrichtungen von überregionaler Bedeutung. Besonders hervorzuheben sind neben der 1960 gegründeten Universität die berühmte islamische Zitouna-Universität mit ihren Fakultäten für Sprache, Literatur und islamisches Recht und das weltbekannte archäologische Museum im Ortsteil Le Bardo; außerdem mehrere höhere Fachschulen, das Institut Pasteur, das Goethe-Institut und die Nationalbibliothek. Das Wirtschaftsleben der Stadt wird durch die Industrie und den Hafen geprägt. Wichtigste Branchen sind die chemische Industrie, vor allem eine große Superphosphatfabrik, die Verhüttung von Bleierzen, die Zement- und die Nahrungsmittelindustrie. Der Warenverkehr wird im wesentlichen über den Außenhafen La Goulette abgewickelt, während der Stadthafen dem Passagierverkehr vorbehalten ist, u.a. dem Fährliniendienst nach Genua und Marseille. Eine Schnellbahnstrecke nach La Marsa führt ebenso wie eine Schnellstraße über den Damm, der den Schiffskanal durch den Lac de Tunis begleitet. Zahlreiche Eisenbahn- und Straßenfernverbindungen führen von Tunis sternförmig in alle Teile des Landes. Mittelpunkt der aus französischer Zeit stammenden Neustadtviertel zwischen Hafen und Medina ist die 60 m breite und 1250 m lange Avenue Habib Bourguiba. Diese mit Feigenbäumen bepflanzte Prachtstraße beginnt an der Place de Vinci pendence, wenige Meter außerhalb der Altstadt, und führt schnurgerade nach Osten in Richtung Hafen, wo sie in die Schnellstraße übergeht, die auf dem Damm neben dem Kanal durch den Lac de Tunis nach La Goulette führt. Etwa in der Mitte der Avenue, an der Kreuzung mit der geradlinig nach Norden zum Parc du Belvedere verlaufenden, palmenbestandenen Avenue Mohammed V, befindet sich die Place d’ Afrique mit dem Reiterstandbild Bourguibas. Dies ist ein geeigneter Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang. Man folgt der Avenue Habib Bourguiba am besten nach Westen in Richtung zur Medina, vorbei an zahlreichen Luxusgeschäften, Banken, Cafes, Reisebüros, Restaurants, Nachtlokalen und Hotels. darunter dem Hochhaus des 1967-70 erbauten Hotels ‘Africa’. Gegenüber der Einmündung der Avenue de Carthage steht das Staatstheater (Stuckfassade). Vor der Place de l’Independance erhebt sich rechts die neoromanische Kathedrale von St-Vincent de Paul (1882). Jenseits des Platzes beginnt die etwas schmalere Avenue de F ran ce, die vor dem Bab el-Bahar (Porte de France), einem seit 1848 unverändert gebliebenen Stadttor, endet. Die ehemalige Stadtmauer aus der hafsidischen Ära ist nicht mehr vorhanden. Hinter dem Tor beginnt die MEDINA. Halblinks führt die von zahllosen Ge- schäften gesäumte Hauptstraße Rue Djama ez-Zitouna.
