Vientiane
Die laotische Hauptstadt Vientiane (Viangchang = ‘Stadt des Sandelholzes’; ca. 200000 Einw.) liegt am linken Ufer des Mekong etwa in der Mitte jenes Stromabschnittes, der im großen und ganzen von Westen nach Osten verläuft und die Grenze zu Thailand bildet. Sie macht den Eindruck einer Landstadt und hat kein eigentliches Zentrum. Im Vergleich mit anderen asiatischen Landeshauptstädten, wie etwa Bangkok, nimmt sich Vientiane geradezu dörflich aus; Verkehrsstaus oder Luftverschmutzung sind hier praktisch unbekannt. Auf den wenig befahrenen Straßen trifft man nicht selten frei umherlaufendes Rind- und Federvieh; abends ist die Stadt ruhig und fast menschenleer. Ursprünglich durften in den laotischen Siedlungen nur Klöster, Tempel und königliche Bauten aus Stein, Ziegel oder Lehm errichtet werden; Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden aus Holz und Stroh gebaut und haben deshalb nur selten längereZeiträume überdauert. Mit dieser Tradition brachen dann die französischen Kolonialherren gegen Ende des 19. Jahrhunderts; sie legten in Vientiane asphaltierte Straßen an so einen Boulevard entlang dem Mekongufer ? und bauten feste Häuser, Villen, Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser. Wirkliche Sehenswürdigkeiten stellen in Vientiane nur die buddhistischen Tempel und Pagoden dar (vor dem Betreten Schuhe ausziehen!). Im Stadtkern, gegenüber dem Hotel Imperial, steht der schwarze Stupa Thai Dam, in dem nach einer laotischen Legende ein Drache schläft, der sich im Zorn erhebt, sobald Vientiane von Thailand bedroht wird. Etwa 2 km östlich vom Hotel Lane Xang befindet sich am Ufer des Mekong die typisch laotische Tempelanlage Wat That Khao; die Wände sind aus mächtigen Quadersteinen gefügt, und entlang der Dachkante verläuft ein Schlangenfries. Der Wat Phra Keo, der 1563 erbaut wurde, um den jetzt in Thailand befindlichen Smaragdbuddha zu beherbergen, läßt mit seinen Stützpfeilern und dem kunstvoll gearbeiteten Dach deutlich siamesischen Einfluß erkennen; er steht an der Sethathirat-Straße zwischen dem ehemaligen Königspalast Hor Kang und dem Mahosot-Krankenhaus und ist in ein Museum umgewandelt worden, das eine beachtenswerte Sammlung von Buddhafiguren zeigt. Wat Siaket, im frühen 19. Jahrhundert an der Ecke Avenue Lane Xang und Sethathirat-Straße errichtet, läßt in seinem massiven quadratischen Bau, der von einem kleinen Stupa bekrönt ist, birmanischen Einfluß erkennen. In früheren Zeiten wurde jede neue Regierung bei diesem Tempel vereidigt. Von den rund 30 Pagoden der Stadt sind drei von besonderem Interesse: Wat Ong Tu (Ecke Anou- und Sethathirat-Straße), Wat Phiavat (ca. 1 km östlich vom Hotel Lane Xang), Wat Sii Muong (Ecke Sethathirat- und Samsenthai-Straße). Am Ende derAvenue Lane Xang steht das Monument des Morts, ein bogenförmiges Denkmal für die im Kriege gefallenen Laoten; es wird im Volksmund zuweilen als ‘vertikale Rollbahn’ bezeichnet, da man zu seinem Bau den Zement verwandte, der ursprünglich für den Flughafen vorgesehen war. Unmittelbar westlich vom Mahnmal liegt das Gebäude des Obersten Volksrates. Etwa 3 km nordöstlich vom Monument des Morts befindet sich der Pyramidenbau des That Luang, ein von 30 Türmchen umgebener goldener Stupa, der 1566 von König Sethathirat errichtet, 1929 von den Franzosen und 1976 abermals restauriert worden ist. Dieses buddhistische Nationalheiligtum war früher das Ziel großer Pilgerscharen aus ganz Laos und dem nordöstlichen Thailand. Wer einen Einblick in die Lebensweise der Laoten gewinnen möchte, begebe sich möglichst früh morgens (schöne Sonnenaufgänge über dem Mekong!) auf einen der Märkte der Stadt: An der Khoua- Luang-Straße liegen der sogenannte Morgenmarkt und der Nong-Duan-Markt (früher ‘Abendmarkt’; Lebensmittel). Wenn gleich es derzeit weder den Ausländern, die in Vientiane leben, noch Touristen erlaubt ist, sich ohne besondere behördliche Erlaubnis mehr als 15 km weit von der Hauptstadt zu entfernen, sei auf den Tagesausflug hingewiesen, der hin und wieder zu einem rund 90 km nördlich gelegenen Stausee möglich ist. Dort hält ein Staudamm (mit Kraftwerk) die Wasser des Flusses Nam Ngum zurück.
