Caracas
Caracas liegt in einem von Alexander von Humboldt als ehemaliges Seebecken erkannten Hochtal in der Küstenkordillere der venezolanischen Anden. Dieses etwa 20 km lange und 5 km breite Becken verläuft parallel zur Küste (Ost-West-Richtung) und wird vom Rio Guaire durchflossen. Im Norden der Stadt erhebt sich eindrucksvoll das Gebirgsmassiv des Pico Naiguatä (2 765 m). Die Berge im Süden sind wesentlich niedriger. Der Bundesdistrikt (Distrito Federal) mit der Hauptstadt Caracas umfaßt neben dem erwähnten Hochtal auch einen Küstenabschnitt am Karibischen Meer. Hier befinden sich der internationale Flughafen Maiquetia und La Guaira, der größte Hafen des Landes. Seit 1953 ist das Hochtal von Caracas durch eine kühn angelegte Schnellstraße (zahlreiche Viadukte und Tunnels) mit den Küstenorten verbunden. Aufgrund der Höhenlage wird das Klima von Caracas als recht angenehm empfunden. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt im Hochtal 24′C, an der Küste 29″C. In der Zeit zwischen Mai und November ist es häufig recht schwül. Caracas ist im Jahre 1567 von dem Spanier Diego de Losada als ‘Santiago de Leön de los Caracas’ gegründet worden. Der Name der Stadt erinnert an die ‘Caraca’, einen Stamm der Kariben, die zur Zeit der Ankunft der Spanier in diesem Gebiet lebten. 1786 wurde Caracas Hauptstadt einer aus sieben neuspanischen Provinzen entstandenen ‘Audienca’. Am 24. 7. 1783 erblickte Simön Bolivar in Caracas das Licht der Welt. Er sollte als Anführer der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und als großer Staatsmann in die Geschichte eingehen. Langwierige Befreiungsbestrebungen führten 1811 unter der Leitung von Simön Bolivar zur ersten Unabhängigkeitserklärung und in der Folgezeit zur Bildung der Republik Groß-Kolumbien (einschließlich des heutigen Staates Venezuela). Nach der vollkommenen politischen Unabhängigkeit Venezuelas wurde Caracas im Jahre 1831 Hauptstadt der jungen Republik. Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Metropolen konnte sich Caracas bis ins 20. Jh. nur verhalten entwickeln. 1812 forderte ein gewaltiges Erdbeben hohen Blutzoll von den damals 50 000 Einwohnern. Siebzig Jahre später begann man mit dem Bau einer Bahnstrecke von Caracas an die Küste. Diese Maßnahme leitete einen Aufschwung ein. Im Jahre 1926 zählte man 135 000 Einwohner. Eine wahre Bevölkerungsexplosion setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Die Hauptstadt des an Bodenschätzen (bes. Erdöl) reichen südamerikanischen Landes wuchs zur Metropole heran, die ganze Heerscharen von Neusiedlern aus ländlichen Gebieten anzog. Heute ist das Hochtal von Caracas eine fast apokalyptisch anmutende Stadtlandschaft mit das Siedlungsbild beherrschenden Wolkenkratzern, an den Hängen klebenden ‘Rancho’-Vierteln (z.T. Elendsquartiere) und feudal anmutenden Villenanlagen. Der ganze Siedlungsbrei wird von einem schier unentwirrbaren System von Stadtautobahnen durchzogen. Die kolonialzeitlichen Bauten sind mit wenigen Ausnahmen dem Erdboden gleichgemacht worden, d.h. dem Bauboom der vergangenen Jahrzehnte zum Opfer gefallen. Die erhaltenen historischen Gebäude entstammen zumeist dem 19. Jh., wobei besonders während der Regierungszeit des Generals Guzmän Blanco (1870 - 1877) etliche stadtbildprägende Bauten (z.B. das Kapitol) erstellt worden sind.
