Medina
Die Medina von Tunis ist mit ca. 1500x 800 m Ausdehnung die größte und zugleich neben der von Kairouan auch die besterhaltene des Landes. Sie entstand im 9.110. Jh., wurde von den Hafsiden ab dem 13. Jh. gründlich umgestaltet und von den Türken mit zahlreichen Neubauten versehen. Die Franzosen ließen die Mauern bis auf einige Stadttore abreißen, hinterließen aber ansonsten baulich kaum Spuren. Nach der Unabhängigkeit wurden die Kasbah und einige verfallende Viertel geschleift. Heute ist die Medina über- wiegend das Wohngebiet ärmerer Leute, auch wenn umfangreiche Restaurierungsarbeiten ihr etwas von ihrem alten Glanz wiedergegeben haben und es hier auch repräsentative Stadtpalais gibt. Es soll hier insgesamt ca. 700 historisch bedeutsame Bauten geben, von denen die meisten allerdings von außen unscheinbar wirken und nicht zugänglich sind. Das zunächst völlig unübersichtlich erscheinende Gassengewirr der Medina breite, gerade Straßen und größere Plätze fehlen zeigt den üblichen Aufbau arabischer Altstädte: Von den alten Stadttoren, um die sich die Fondouks und die ländlichen, d. h. auf den Handel mit dem Umland orientierten Souks gruppieren, verlaufen schmale, mehrfach abgeknickte Hauptachsen ins Zentrum, wo sich die Hauptmoschee und die zentralen Souks befinden. Von den Hauptachsen gehen wiederum zahlreiche Nebengassen ab, die früher durch ein Tor verschließbar jeweils den einzigen Zugang zu einem tadtviertel bilden. Jedes dieser Viertel besitzt mit Moschee, Hammam, Brunnen, Cafe, Gemeinschaftsbackofen und Läden ein eigenes kleines Zentrum. Kleine Sackgassen führen schließlich zu den einzelnen, nach außen völlig abgeschlossenen Wohnhäusern. Traditionell war jedes der weitgehend autarken Stadtviertel einem Stamm oder einer ethnischen Minderheit vorbehalten. Auf dem höchsten Punkt der Altstadt befand sich die Kasbah, die Residenzen der Herrscher dagegen lagen stets außerhalb. Auch die Souks folgten der traditionellen Ordnung: Die Handwerksstätten und Läden bestimmter Berufsgruppen waren jeweils in bestimmten Gassen konzentriert. Das zentrale, großenteils überwölbte und durch Tore verschließbare Gebiet um die Hauptmoschee nahmen die angesehenen und wohlhabenden Gewerbe ein: Parfüm-, Gewürz-, Schmuck- und Buchhändler sowie die in Tunis stets besonders einflußreichen Chechia-Macher. In der Rangliste folgten die etwas mehr zum Rand hin angesiedelten Weber, Tuchhändler und Schneider, dann an den zu den Toren führenden Hauptachsen die Händler für Lebensmittel und Waren des Alltagsbedarfs. Um die Tore hatten die geringer angesehenen Schmiede und Sattler ihren Platz, während sich Gerber, Töpfer und Färber mit Arbeitsstätten außerhalb der Stadtmauer begnügen mußten. Die Angehörigen eines jeden Berufes waren traditionell in einer Art Zunft zusammengefaßt, die zugleich den Charakter einer religiösen Bruderschaft hatte. An der Spitze einer Zunft stand jeweils der gewählte Amin, es folgten die Meister, Gesellen und Lehrlinge. Die Vorsteher der zehn wichtigsten Gilden bildeten den Rat der zehn Großen, der in Zusammenarbeit mit dem Sheikh el Medina, dem Bürgermeisten, als oberste Aufsichts- und Schlichtungsbehörde der Souks fungierte; den Vorsitz führte stets der Amin der Chechia-Macher. Heute hat sich die alte Ordnung aufgelöst: Die meisten wohlhabenden Bewohner haben die Medina verlassen, Souvenirherstellung und industrielle Massenprodukte verdrängen die traditionellen Handwerke, neue, nicht zunftgebundene Händler lassen sich nieder. Gewerbe wie Sattler, Färber und Gerber sind bereits fast ganz verschwunden, andere wie etwa die Schmiede fristen ein Schattendasein und können trotz härtester Arbeit kaum mehr das Lebensnotwendigste erwirtschaften. So droht die Medina im Kernbereich zur musealen Touristenattraktion mit florierendem Souvenirhandel und in den Randgebieten zum Slum zu werden.Die Besichtigung der Medina beginnt bei dem Porte de France oder Bab el Bhar genannten, 1848 errichteten ehemaligen Haupttor der Altstadt, das die gepflegte kleine Place de la Victoire mit ihren abends stark frequentierten Cafes beherrscht. Hier beginnen erkennbar an den Souvenirgeschäften die Soukhauptstraßen Rue de la Kasbah und Rue Djama ez Zitouna / Souk el Attarine, die beide zur Kasbah hin ansteigen außerdem links vom Tor die Rue de la Commission mit Gewürzhändlern und rechts die Rue des Glaciers, die zur Rue Zarkoun führt. Die Orientierung in der Medina ist anhand der beigefügten Pläne relativ leicht, zumal fast alle wichtigen Straßen Namensschilder haben. Falls Sie sich in der Medina verlaufen sollten, fragen Sie sich zum nächsten Stadttor durch; dort finden Sie jeweils Taxis und Busse. Cafes und Restaurants gibt es in der Medina nur an wenigen Stellen, viele dagegen um die Stadttore. Die Zitouna und das zentrale Soukgebiet: Biegen Sie zunächst in die linke Medinahauptachse ein, die Rue Djama ez Zitouna, eine enge Soukstraße, die von zahllosen stark auf Touristen eingestellten Geschäften gesäumt wird. In dieser Gegend ließen sich die ersten Europäer in Tunis nieder. Bei den mächtigen Mauern, die sie streckenweise säumen, handelt es sich um türkische Kasernenbauten aus dem frühen 19. Jh. Kurz darauf beginnen die gedeckten Souks. Gleich dahinter stoßen Sie beim Markt der Trockenfrüchte auf die Djama ez Zitouna, die Ölbaummoschee. Dieser auch als Große Moschee bekannte Bau der ehrwürdigste der Stadt ist das bedeutendste Heiligtum Tunesiens nach der Sidi Oqba von Kairouan. Bereits 732 entstand hier ein bescheidenes Gotteshaus, ab 864 dann eine größere Freitagsmoschee, die unter den Hafsiden zwischen dem 13. und 15. Jh. zu einem Hochschulkomplex mit zahlreichen Nebenbauten erweitert wurde. In dieser Zeit avancierte die Zitouna zur bedeutendsten Lehrstätte des Islam neben der Al Azhar von Kairo und der Kairaouine von Fes; für alle damals bekannten Disziplinen gab es Fakultäten, einige ihrer Schüler gelangten zu Weltruhm. Ihre Bedeutung nahm nach der Gründung der neuen Universität zwar ab, als einflußreiche theologische Hochschule besteht sie aber bis heute. Teile von Außenmauern und Gebetssaal gehen noch auf das 9. und 10. Jh. zurück, der größte Teil des Baubestands datiert jedoch aus dem 17.-19. Jh. Das Betreten der an drei Seiten von Souks umgebenen Moschee, die dem Grundriß der Sidi Oqba folgt, ist täglich außer freitags am Vormittag möglich. Leider müssen Sie sich mit der Besichtigung des Hofes und dem Blick auf das fayencengeschmückte, 44 m hohe Minarett begnügen. Der 15schiffige, durch 184 größtenteils antike Säulen gegliederte Gebetssaal bleibt Nichtmoslems verschlossen. In der unmittelbaren Umgebung der Moschee befinden sich die verschiedenen Nebenbauten der Hochschule, darunter einige Medersas aus dem 17. und 18. Jh.. Besondere Beachtung verdient die Nationalbibliothek. Ihre historischen Räume enthalten etwa eine halbe Million Bücher, darunter ca. 100 000 mittelalterliche Handschriften; auch gibt es hier einen Katalog aller den Maghreb betreffenden Publikationen. Um die Zitouna erstreckt sich das Gebiet der gedeckten Souks, das heute stark auf Tourismus eingestellte zentrale Marktviertel, das im wesentlichen auf die hafsidische und frühe türkische Zeit zurückgeht. Der im folgenden beschriebene Rundgang soll nur als Vorschlag verstanden werden, sinnvoller dürfte es aber sein, einfach umherzustreifen und sich mit dem Soukplan sowie der Zitouna-Moschee als Fixpunkt zu orientieren. Die meisten Läden sind an Sonn- und Feiertagen geschlossen. An der Nordfassade der Großen Moschee führt der bereits erwähnte Souk el Attarine vorbei, einer der ältesten und angesehensten der Stadt, dem wir in ansteigender Richtung folgen. Nach rechts zweigen von ihm der Souk el Blaghija und die Rue Sidi Ben Arous ab, nach links verläuft entlang der Moscheewestfassade der Souk des Etoffes. Geradeaus setzt sich der Souk el Attarine im Souk et Trouk fort, dem 1630 angelegten Markt der einstigen Türkenkolonie, der heute von Händlern aus Djerba beherrscht wird. Das hiesige Cafe Mrabet ist als typisch tunesisches Restaurant mit Folkloreshows und traditionellen Speisen eine beliebte Touristenattraktion. Der Souk et Trouk stößt auf die Sidi Youssef-Moschee mit ihrem hohen achteckigen Minarett, dem ersten Vertreter des syrischen Typus in Tunesien. Vor der Sidi Youssef-Moschee zweigt rechts der Souk el Bey ab, über den man zum Souk des Chechias gelangt, der Straße der Mützenmacher, die hervorgegangen aus andalusischen Einwanderern einst die einflußreichste Zunft der Stadt bildeten, heute jedoch nur noch wenige Werkstätten besitzen, da die Chechia einst ein Statussymbol der Reichen nur noch selten getragen wird. Folgen Sie dem Souk el Bey weiter, können Sie links zum Dar el Bey abbiegen. Gehen Sie aber zunächst zurück zur Moschee Sidi Youssef und geradeaus weiter in den Souk el Berka, wo Sie den ehemaligen Sklavenmarkt finden. Links führt der Souk el Leffa zurück zur Zitouna; hält man sich rechts, gelangt man zum Souk Sekkajine und zum Bab Menara. Wollen Sie den Soukbummel ausdehnen, biegen Sie vom Souk el Leffa gleich rechts in den Souk el Kouafi, der rechter Hand den verwinkelten Souk des Orfevres liegenläßt. Biegen Sie rechts in den Souk Kechachine ein, der einen Bogen beschreibt, um in die Rue du Dey zu münden. Folgen Sie dieser nach rechts, gelangen Sie über einen nach links abzweigenden Bogen gang zum innen reich geschmückten Dar el Hussein, ursprünglich Sitz der Stadtverwaltung, dann bis 1956 Hauptquartier des französischen Militärkommandanten, bis 1975 Museum für islamische Kunst und heute Sitz des Nationalinstituts für Archäologie und Kunst. Von hier aus sehen Sie die Moschee El Ksar und den Durchgang zum Bab Menara. Gehen Sie die Rue du Dey / Souk Kechachine wieder zurück, treffen Sie auf den nach links abzweigenden überdachten Souk des Femmes. Der Souk des Femmes kreuzt den Souk de Coton und stößt beim Souk de la Laine auf die Südostfassade der Zitouna. Nicht versäumen sollten Sie von hier aus den kurzen Gang zum Buchhändlersouk, der rechts gegenüber dem Moscheehaupteingang abzweigt. Von der Rue de la Kasbah zum Bab Menara: Die zweite Hauptachse der Medina bildet die Rue de la Kasbah, die man von der Porte de France über den rechten, schmaleren Altstadtzugang betritt. Sie wird anfangs von Textilgeschäften gesäumt. Folgen Sie der sanft ansteigenden Straße Mausoleum der Aziza Othmana, der 1646 gestorbenen Tochter von Othman Bey, die für ihre Wohltätigkeit bekannt war und deshalb bis heute vor allem bei ärmeren Leuten Verehrung genießt. Außer ihr sind hier noch ca. 30 weitere Mitglieder der Bey-Familie bestattet. Gehen Sie auf der Rue de la Kasbah weiter, passieren Sie links die Hammouda Pascha-Moschee mit ihrem weithin sichtbaren, überaus eleganten Achtkantminarett. Der Zugang zum pyramidendachbekrönten Mausoleum ihres Stifters befindet sich gleich um die Ecke in der Rue Sidi Ben Arous. Die Rue de la Kasbah mündet nachdem sie den Souk ei Bey passiert hat auf die Place du Gouvernement, an der sich links das Dar ei Bey erhebt, das um 1800 entstandene einstige Stadtpalais der türkischen Herrscher. Der Bau rechter Hand beherbergt das Industrie- und Handelsministerium, der gegenüber das Finanzministerium. Vor der Place du Gouvernement öffnet sich ein weiter, von der Umgehungsstraße durchschnittener und derzeit in Umgestaltung befindlicher Platz, das Gelände der früheren türkischen Kasbah, die da von den Franzosen durch Kasernen erweitert 1956 als Symbol des Kolonialismus< bis auf wenige Mauerreste abgerissen wurde. Gleich links sehen Sie die Aziza Othmana-Frauenklinik, halblinks gegenüber das massive Vierkantminarett der Kasbah- oder A lmohadenmoschee, der höchstrangigen Freitagsmoschee von Tunis nach der Zitouna, ein Stück dahinter, gleichfalls auf der linken Platzseite, das Musje du 9. A vril, das den Unabhängigkeitskampf dokumentieren soll. Die Höhe geradeaus beherrscht das moderne Hauptquartier der RCD-Partei, rechts sehen Sie das in einer ehemaligen Moschee untergebrachte College Sadiki, die berühmteste neuere Schule des Landes. Lohnend ist der kurze Gang über den hinter dem RCD- Gebäude verlaufenden Boul. du 9. Avril zu dem Verkehrskreisel, von dem aus man das Armenviertel Melassine und den Salzsee Sebkhet es Sedjoumi überblickt. Die vorbildlich restaurierte Zaouia Sidi Kacem al Jelizi an der dortigen Straßenecke barg bis vor kurzem ein Keramikmuseum, mittlerweile wurden die Exponate ins Bardo transferiert. Wenden Sie sich von der Place du Gouvernement nach rechts, so gelangen Sie über den Boul. Bab Bennat zum Bab Souika. Gehen Sie dagegen nach links, gelangen Sie nach einer Weile zur Place Bab Menara. Wenden Sie sich gleich am Beginn des Platzes scharf nach links in den lebhaften, unbedingt sehenswerten Souk Sekkajine. In der ersten Gasse rechts befindet sich rechter Hand das Haus Sidi Bou Krissan mit dem 1093 errichteten Mausoleum der Chorassiniden und im Garten verstreut zahlreichen Grabstelen aus dem 9-15. Jh.. Zurück auf dem Platz, sehen Sie ein kleines Stück weiter linker Hand das Bab Menara mit der Moschee ei Ksar, hinter dem die Rue du Chateau geradewegs zum Dar el Hussein führt. Die Medinaumgehungsstraße trifft schließlich auf das Bab Djedid. Die südlichen Randgebiete der Medina: Wer über genügend Zeit verfügt, sollte nicht versäumen, die vom Tourismus bislang kaum überfluteten Medinarandbezirke zu besuchen, insbesondere den Südteil zwischen Zitouna und Bab Djedid/ Bab el Djazira sowie den Nordteil um das Bab Souika. Der erste Besuch sollte dem Südteil der Medina gelten. Biegen Sie von der Medinahauptachse Rue Djama ez Zitouna unmittelbar vor Beginn der gedeckten Souks links in den Souk ei Belat, der nach einem überwölbten Abschnitt in die Rue des Teinturiers übergeht. Von dieser Straße zweigt kurz vor der auffälligen Moschee links die Rue ei M’bazdaa ab, an der sich gleich rechts das Dar Othman befindet, das um 1600 entstandene Stadtpalais von Bey Othman. Zurück auf der Färberstraße, folgt rechts sogleich die anmutige Djama el Djedid mit ihrem hohen Achtkantminarett. Unmittelbar dahinter biegt rechts die Rue Sidi Kassem ab. Dort führt links eine Gasse zum Dar Ben A bdallah, einem prächtigen Palast aus dem 18. Jh., in dem seit 1975 ein überaus sehenswertes regionales Volkskunstmuseum alte Trachten und Möbel sowie u. a. eine traditionelle Küche und ein Hammam zeigt. Geht man die Rue Sidi Kassem weiter geradeaus, so folgen an deren Ende rechter Hand die grünen Kuppeln des Tourbet ei Bey, des Mausoleums der Husseiniten-Beys, das deutliche Einflüsse der italienischen Renaissance verrät. Vom Mausoleum können Sie über die Rue Tourbet el Bey entweder zur Zitouna oder zur Medinaumgehungsstraße gehen. Es empfiehlt sich aber der kleine Umweg zur Rue des Forgerons. Diese mündet beim Bab Djedid, einer mächtigen Torburg mit abgeknicktem Durchgang. Gegenüber erstreckt sich um den Straßenzug Souk ei Aassab/Souk des Armes/Rue el Marr ein lebhaftes, einfaches Marktviertel, die Hauptachse des Bab el Djazira-Viertels. Über die Medinaumgehungsstraße gelangen Sie vom Bab Djedid zur verkehrsreichen Place Bab ei Djazira. Von hier führt die Rue el Djazira zur Porte de France, die Rue d’Algerie zum hypermodernen SNCFTBahnhof und die breite Rue Sidi el Bechir zum Busbahnhof Tunis-Süd. Von letzterem aus erblicken Sie jenseits des Gewirrs von Schnellstraßen und Bahntrassen den 88 m hohen Sidi Bel Hassen-Hügel. Dahinter schließt die bis Rades reichende Industriezone an. Die nördlichen Randgebiete der Medina: Zum Bab Souika-Viertel im Norden der Medina können Sie auf verschiedenen Wegen quer durch die Medina gelangen, am leichtesten zu finden ist aber die Zufahrt über die Medinaumgehungsstraße. Wenden Sie sich von der Porte de France aus rechts in die Rue Mongi Slim, an der gleich links die Rue Zarkoun folgt und bald darauf rechts die Rue Bab el Khadra zum gleichnamigen Tor. Nach einer Weile öffnet sich links die weite Place Bab Carthajna. Kurz dahinter folgt rechts die Rue des Potiers mit dem gleichnamigen, südeuropäisch anmutenden Platz. Die Medinaumgehungsstraße trifft schließlich auf die Place Bab Souika, die einstige Hinrichtungsstätte von Tunis, die bis vor kurzem mit ihren zahlreichen Cafes und Restaurants eine Art Vergnügungszentrum für die ärmeren Bewohner der Hauptstadt darstellte, derzeit aber zum Zentrum eines ausgedehnten Neubaugebiets umgestaltet wird. Gehen Sie von hier durch den linker Hand gelegenen kleinen Torbogen medinaeinwärts in die enge Rue Sidi Mahrez. Gleich rechts sehen Sie den Eingang zu der imposanten weißen Moschee Sidi Mahrez. Dieser einzige große sakrale Kuppelbau von Tunis entstand zwischen 1675 und 1692 nach osmanischem Vorbild. Die Moschee ehrt den in der gegenüberliegenden Zaouia bestatteten Asketen und Korangelehrten Sidi Mahrez es Sadiki, der im 10. Jh. als orthodoxer Malekit Kampfschriften gegen die Kharedjiten des Abu Yazid verfaßte. Da er als Schutzpatron von Tunis gilt, gehören seine Moschee und Zaouia zu den populärsten Pilgerzielen des Landes. Als zweite Querstraße hinter der Moschee zweigt von der Rue Sidi Mahrez nach rechts die Rue el Monastiri ab, die nach einem leichten Linksknick auf die Rue Sidi Brahim Riahi trifft. In dieser Straße liegt rechts die hübsche Zaouia Sidi Brahim und in der unmittelbar davor links abzweigenden Rue du Tribunal das Dar Lasram. Die Rue Sidi Brahim mündet auf die Rue du Pacha, in der frühen Türkenzeit Sitz des Paschas und Hauptader des feinsten Medinaviertels mit verschiedenen Palais wohlhabender Bürger, der Medersa Bachiya und einem Frauenhammam aus dem 17. Jh. Folgen Sie dieser Straße nach links bis zu dem zweiten Platz und wenden Sie sich dort links in die Rue de l’Agha, von der als erste Straße rechts die Rue du Divan abzweigt. Wollen Sie den Gang durch den nördlichen Teil der Medina ausdehnen, sollten Sie von der Place Bab Souika nicht gleich zur Sidi Mahrez-Moschee gehen, sondern sich zunächst halbrechts in die Rue Halfaouine wenden. Diese führt zum gleichnamigen Platz mit seinen Cafes, dem regen Marktleben, den schattigen Bäumen und der Moschee Sahib at Tabaa. Er bildet das Zentrum des Bab Souika-Viertels, das unter Hafsiden und Türken als nördliche Medinaerweiterung angelegt wurde; in der Protektoratszeit fanden hier zahlreiche Protestkundgebungen statt. Die Marktstraße Rue Souki Bel Khir führt von hier in östlicher Richtung zum Doppeltor Bab ei Khadra, dem einstigen Ostzugang des Souika-Viertels. Von der Place Bab Souika können Sie auch über das Bab Saadoun zum Bardo gehen oder über die nach Süden verlaufende Av. Ali Belhaouane und deren Verlängerung Rue de Londres zum Neustadtzentrum.

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