Dezember 30th, 2008 von Julia

Den äußersten Nordosten Tunesiens nimmt das Cap Bon ein, eine ca. 90 km lange und bis 40 km breite Halbinsel, die als geologische Fortsetzung der Dorsale den Europa am nächsten gelegenen Teil des Landes bildet. Das Cap Bon beginnt im Südwesten mit der fruchtbaren Grombalia-Ebene und setzt sich als überwiegend sanftes Hügelland fort, das im Norden und Nordosten jählings zum Meer hin abfällt, im Osten und Südosten dagegen von ausgedehnten Sandstränden gesäumt wird. Die relativ hohen Niederschläge lassen eine üppige mediterrane Vegetation gedeihen und machen das Cap Bon zu einem der wichtigsten Landwirtschaftsgebiete Tunesiens; entsprechend findet sich hier eine vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte. Wegen seiner reizvollen Landschaft, den herrlichen Stränden und seinen malerischen Orten zählt das Cap Bon zu den sehenswertesten Regionen Tunesiens; der Tourismus konzentriert sich bislang allerdings überwiegend auf den Südwestteil um Hammamet/ Nabeul, wo das zweitgrößte Badezentrum des Landes entstanden ist. Der Name der Halbinsel stammt vom italienischen Gap Bona oder spanischen Gap Bono, was ursprünglich nur die felsige Landspitze an der äußersten Nordseite bezeichnete; der arabische Name Ras Adrar ist kaum gebräuchlich, die Bewohner sprechen oft von der Djezira. Schon im 7. Jh. v. u. Z. begann die karthagische Kolonisation. In römischer Zeit wurden zunächst Fruchtbaumkulturen und Wein angebaut, später Getreide, in der Spätzeit des Imperiums dann überwiegend Oliven. Im frühen Mittelalter brachten Nomadeneinfälle und Angriffe von Normannen eine Verödung der Halbinsel. Die größte Blütezeit des Cap Bon begann im 16./17. Jh., als sich hier Flüchtlinge aus Andalusien niederließen und ihre hochentwickelten Anbau- und Bewässerungstechniken mitbrachten; bald gediehen hier alle im Mittelmeerraum bekannten Obst- und Gemüsearten und darüber hinaus Pflanzen, die die Spanier aus Amerika mitgebracht hatten. Das Cap Bon erhielt sein bis heute spürbares andalusisches Gepräge und wurde zum Garten Tunesiens. Auch in der Kolonialzeit blieb die fruchtbare Halbinsel eines der bevorzugten Anbaugebiete; allerdings dominierten hier nicht französische Colons, sondern mehr als in jedem anderen Teil des Landes italienische Klein- und Mittelbauern, die neben Wein vor allem Agrumen, Orangen und Gemüse kultivierten. Heute zählt das Cap Bon nach wie vor zu den ertragreichsten Agrarregionen Tunesiens. Hier befinden sich ca. 3/4 der gesamten Zitrusanbaufläche des Landes, 73% der Agrumen, 58°h des spanischen Pfeffers, 45% des Weins und 37% der tunesischen Tomaten gedeihen hier, daneben auch viel Tabak und Blumen. 86% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, weitaus mehr als im Landesdurchschnitt. Gemüse- und Weinbau konzentrieren sich auf die Grombalia-Ebene im Südwesten, die Obstkulturen auf die Küstengebiete, während das kargere, dünner besiedelte Innere der Halbinsel überwiegend Getreide-, Oliven- und Weideland ist. Im Norden gibt es einige Viehfarmen, an der Küste wird reger Fischfang betrieben, auch das Handwerk floriert. Die Region Hammamet/Nabeul lebt mittlerweile großenteils vom Tourismus. Die blühende Landwirtschaft und der relative Wohlstand des Cap Bon dürfen allerdings nicht über die Probleme der Region hinwegtäuschen: Der stetige starke Nordwestwind erschwert den Fruchtbaumanbau, der Ackerbau hat mit den dicken Kalkkrusten zu kämpfen, die an vielen Stellen über dem fruchtbaren Boden liegen, besonders an der intensiv kultivierten und dicht besiedelten Küste ist kaum noch Raum für eine Erweiterung der Anbauflächen. Noch größere Probleme wirft jedoch der Wassermangel auf: Die hohe Konzentration von Gemüse- und Obstkulturen, die viel Wasser benötigen, hat die Bohrung zahlreicher Tiefbrunnen erforderlich gemacht, was wiederum zu einem starken Absinken des Grundwasserspiegels führte. Heute muß schon ein Großteil des benötigten Wassers aus den nordtunesischen Gebirgsregionen hergepumpt werden. Wichtigstes Landwirtschaftsgebiet des Cap Bon, von Andalusiern erschlossen, im 19. Jh. dann starke Einwanderung italienischer Kleinbauern; um deren Majorität unter den europäischen Siedlern zu brechen, dann Förderung der Ansiedlung von französischen Colons. Seit der Verstaatlichung des Colon-Landes Abwanderung der Ausländer, eine Reihe von Italienern lebt aber noch hier. Ca. 14 000 Einwohner, wichtiges Landwirtschaftszentrum am Nordwestrand der Grombalia-Ebene; Anfang des 17. Jhs. auf Anordnung des osmanischen Sultans Suleiman des Prächtigen als Zufluchtsstätte für Andalusienflüchtlinge gegründet, im 19. Jh. durch Seuchen entvölkert, erst unter den Franzosen wiederbesiedelt, rascher Aufschwung; 1943 schwere Kriegszerstörungen. Dennoch malerisches Ortsbild, das noch teilweise türkisches Flair zeigt; sehenswerte malekitische Moschee aus dem 17. Jh., hübscher Marktplatz. Im August Festival. Ca. 5 km nordwestlich am Meer der Badestrand Soliman Plage, beliebtes Ausflugsziel der arrivierten Bewohner von Tunis mit Ferienhäusern und den Hotels ** Solymar und * Andalous; ca. 2 km in Richtung Bordj Cedria die Festung Hammouda Pascha. Ca. 12 000 Einwohner, Verwaltungs- und Marktzentrum der Grombalia-Ebene, ausgedehnte Weinbau-, Oliven-, Obst- und Gemüsekulturen; in der Kolonialzeit bis zu 2 5 % europäische Bewohner, bis heute trotz vieler Neubauten deutlich koloniales Gepräge. Früher Sitz der Provinzverwaltung für das Cap Bon. Im August Weinlesefest.
Sonstige wichtige Orte in der GrombaliaEbene sind Menzel Bou Zelfa und Bou Arkoub. Die zerklüftete Nordwestküste des Cap Bon ist landschaftlich grandios; sie wird von der kurvenreichen C 29 durchquert. Kleiner Fischerort an der Stelle des einstigen Hafens des römischen Carpi, erinnert mit seinem weiten Strand und den Holzhütten etwas an Karibik oder Südsee; einfaches Restaurant, sehr einfache Unterkunft in Hütten. Die C 128 Richtung Korbous zählt zu den landschaftlich schönsten Strecken des Landes. Bedeutendstes tunesisches Thermalbad in herrlicher Lage an einem schluchtartigen Einschnitt in die Steilküste.
Die hiesigen sieben heißen Quellen waren schon den Römern als Aquae calidae Carpitana bekannt, gerieten dann aber in Vergessenheit, bis Ahmed Bey 1801 hier ein Bad einrichten ließ. Die Franzosen bauten Korbous dann zum Kurort aus. Kuriert werden hier Hautkrankheiten, Erkrankungen der Atemwege, aber auch Darmleiden, Arthritis und Rheuma. Bislang überwiegend von wohlhabenden Tunesiern besucht, man versucht aber zunehmend, auch Touristen für Korbous zu interessieren. Korbous ist ein reiner Kurort; das kleine Dorf oberhalb der Meeresbucht führt nur ein Schattendasein. Der kleine Kurort gruppiert sich um die Durchgangsstraße C 128, die von Süden her zum Meer hinabsteigt. Unten, beim Meer, konzentrieren sich die klassischen Kuranlagen: zunächst links das Hammam Arraga, ein Türkisches Bad, in dem Sie noch römische Bauteile finden, dann gleich dahinter das Ain Sebia-Bad, ein einfaches Heißwasserbadebecken, und schließlich geradeaus  das Bad Ain Chafih heute ein modernes medizinisches Bad. Zwischen beiden Bädern ein kurzes, felsiges Strandstück. Unbedingt beachtenswert ist in Korbous weiter der ZerzihaStein, ein volkstümliches Heiligtum: Frauen rutschen diesen Stein hinunter in der Hoffnung, dadurch Fruchtbarkeit zu erlangen. 3 km südlich von Korbous liegt auf einem steilen Felsen oberhalb der Küste die Thermalquelle von Ain Oktor mit dem gleichnamigen Hotel und einer Mineralwasserabfüllanlage. 2 km nordöstlich von Korbous Hamma el Atrous, eine vielbesuchte heiße Quelle, die in einem kleinen Wasserfall ins Meer stürzt; der Platz und seine Umgebung eignen sich hervorragend zum Baden. Zahllose menschenleere Strände in Richtung Sidi Daoud. Bis 1995 soll sich das Bild des Ortes vollständig verändern: Geplant sind ein ultramodernes Seewassertherapiezentrum mit Luxushotel, Yachthafen u. a. unmittelbar nordöstlich des Ortes sowie insgesamt ca. 5000 Hotelbetten. Praktische Hinweise: Hotels *”" AM Oktor, 3 km südlich bei der gleichnamigen Quelle oberhalb des Meeres, “”" Les Sources, ** Hotel de la Clinique Medicale des Thermes; kleines Chiraz i tu Ort. Busse nach Tunis und Nabeul. Sidi Daoud Kleiner, unansehnlicher Fischerhafen, jedoch als Zentrum des tunesischen Thunfischfangs von überregionaler Bedeutung, Fischkonservenherstellung. In der Zeit zwischen Ende April und Anfang Juli, wenn die Thunfische zum Laichen an die Küste kommen, fangen die Fischer von Sidi Daoud die bis über 2 m langen und bis zu 5 Zentner schweren Tiere nach traditioneller Art in den sogenannten Matanzas: Frühmorgens fahren die Boote aus, um ein kilometerlanges, V-förmiges, vertikales Netz auszulegen, das die Fische in horizontale Bodennetze treiben soll. Dann werden die Bodennetze emporgezogen, die Fischer springen hinein und töten die Tiere mit langen Messern, Knüppeln und Harpunen. Touristen benötigen zum Besuch dieses blutigen Schauspiels eine Genehmigung. 2 km nördlich des Ortes ein Strand. Von Sidi Daoud verkehren unregelmäßig Boote zur Insel Zembra. El Haouaria, kleines Fischerdorf mit Herstellung von Flechtarbeiten, inmitten einer äußerst eindrucksvollen Landschaft; ** Hotel L’Epervier. El Haouaria, das selbst keine Sehenswürdigkeiten bietet, gilt als Zentrum der tunesischen Falkenjagd. Im März werden die Raubvögel mit Netzen gefangen und dann zur Jagd auf Wachteln abgerichtet; im Mai oder Juni findet ein dreitägiges Fest mit Falkenwettkämpfen, Folkloredarbietungen und Thunfisch-Matanzas statt. Ca. 2 km nördlich des Ortes liegt die Ghar el Kebir, eine Kette von Mergel-, Kalk- und Sandsteingrotten, die in punischer und römischer Zeit als Steinbrüche für Karthago dienten. Spuren der Arbeiten sind noch deutlich erkennbar. In der Nähe landete 310 v. u. Z. Agathokles von Syra cus. Zufahrt: Von Sidi Daoud kommend durchqueren Sie den Ort, halten sich immer geradeaus und folgen dann dem nach links zum Meer abknickenden Weg. Weitere Höhlen in der Nähe des Ortes sind als Fledermausgrotten bekannt. Ca. 5 km nordöstlich von El Haouria erhebt sich der 393 m hohe, dicht bewaldete Djebel Sidi Abiod mit dem vorgelagerten Cap Bon, dem nordöstlichsten Punkt Tunesiens. Die hiesigen Klippen eignen sich hervorragend zum Tauchen. Zufahrt: Biegen Sie im Ort gegenüber der Mobil-Tankstelle rechts ein und halten Sie sich dann geradeaus; die bergan kletternde Piste verschlechtert sich immer mehr. Etwas südlich des Cap Bon der ausgedehnte Sandstrand von Ras ed Drek. Zufahrt: Gegenüber der Mobil-Tankstelle im Ort rechts und dann wieder rechts einbiegen. Fahren Sie von El Haouaria in Richtung Kelibia, passieren Sie eine gewaltige Pumpstation für die Erdgaspipeline Algerien  Sizilien. Dem Cap Bon vorgelagerte schroffe, waldreiche Felseninselchen, in der Antike als Aegimuren bekannt. Das größere Zembra früher eine Quarantänestation für zurückkehrende Mekkapilger beherbergt seit 1963 ein Tauchsportzentrum des Centre Nautique Internationale de Tunis. Unregelmäßige Bootsverbindung mit Sidi Daoud. Auf dem unbewohnten Zembretta steht ein Leuchtturm.

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