St. George
Obschon Madras sich immer weiter ausdehnt, ist es erfrischend niedrig, weiträumig und nicht überfüllt. Die meisten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich in drei Hauptgebieten. Die historische Meeresküste von Fort St. George war die ursprüngliche Siedlung der Ostindischen Kompanie. Daran grenzt im Norden das quirlige Georgetown mit den großen Basaren, billigen Hotels und viel Raj-Architektur an seinem Hauptboulevard, der Netaji Subhash Bose Road (alten Madraskennern auch als Parry’s Corner bekannt). Ganz in der Nähe liegen die beiden Hauptbahnhöfe Central und Egmore und die zwei Busstationen für Fernreisen. Nach Süden zu ist die Anna Salai Road (auch Mount Road) die 16 km lange Lebensader der Stadt und ihr Geschäftszentrum. Hier findet man die Touristenbüros, Kaufhäuser, Geschäfte, Lokale, Konsulate, Büros der Fluggesellschaften und viele Spitzenhotels und Spitzenrestaurants. Weiter im Süden liegt der Bezirk von Guindy-Adyar, der von Elliots Beach begrenzt wird; in der Nähe die Tempel und Wasserreservoirs von Guindy. Am Fluß Adyar, einem der Hauptwasserwege der Stadt, erheben sich eine Reihe großartiger alter Herrensitze, einschließlich des Madras Club, des Chettinad- Palastes und der Theosophischen Gesellschaft. Wie die meisten südlichen Regionen verfügt Madras das ganze Jahr hindurch über ein gut erträgliches, heißes Klima, das von März bis Mai mit einem Durchschnitt von 37 Grad allerdings für Hitzeschläge prädestiniert ist und sich zwischen Juli und September für schwere Monsunregen und von riesigen Brechern begleitete Küstenstürme anfällig zeigt. Der kurze Winter von Mitte Dezember bis Februar ist die beste Besuchszeit. Die Stadt feiert dann ihre lebensfrohen Tanz- und Musikfeste, bei denen jeden Abend Bharatanatayam und klassische Musik auf dem Programm stehen. Die englische Tageszeitung The Hindu veröffentlicht alle wichtigen Veranstaltungen. Es lohnt sich wirklich, seine Reise so zu planen, daß die Teilnahme an Pongal, dem mitreißendsten Fest Südindiens, gesichert ist. Gefeiert wird die frühe Ernte an vier lärmenden, von fliegendem Reis gefüllten Tagen in der Januarmitte. Voller Erstaunen erlebt der Besu- cher, wie Madras kuhverrückt spielt, wenn Leute ihre heiligen Kühe mit Gelbwurz, Blumengirlanden, Zuckerrohr, Kokosnüssen und Mangoblättern schmücken und sie durch die überfüllten Basare paradieren. Am Marina Beach finden dann sogar Stierrodeos statt. Die Straßen von Madras können den erstmaligen Besucher anfangs etwas einschüchtern. Straßen und Gassen scheinen völlig planlos angelegt, und viele der alten britischen Bezeichnungen werden, trotz des offiziellen Beharrens auf den neuen, zungenbrechenden, nachder Unabhängigkeit zugeteilten Namen, weiter verwendet. Bevor man ausgeht, sollte man sich daher sein Ziel auf tamilisch aufschreiben lassen. Die angenehmste Besichtigungsart für Madras: Sich per Taxi zu den drei Hauptbesichtigungsgebieten bringen lassen und sie dann einfach durchbummeln. Taxis stehen vor jedem großen Hotel und an den wichtigen Bahnhöfen; sie können auch auf der Straße herangewinkt werden. DiePreise sind mit 1.70 Rs pro Kilometer sehr reel. Anhand einer Liste der Orte, die man besuchen will, kann man auch einen Tagespreis aushandeln. Autorikschas besorgen dasselbe viel billiger und fahren, wenn gewünscht, bis zum Flughafen. Fahrradrikschas sind ideal, um die frenetischen Seitengassen im Stadtzentrum zu erleben; der Fahrpreis muß aber vorher ausgehandelt werden. Madras verfügt über ein einfach zu benutzendes Bussystem, im Vergleich zu den anderen Großstädten Indiens ist es geradezu methodisch. In der Broschüre Hallo Madras sind alle Busrouten der Stadt aufgeführt. Das Touristenbüro führt für 25 Rs ausgezeichnete Stadtrundfahrten durch. Ausgebildete Fremdenführer erläutern an einem Nachmittag alle Hauptsehenswürdigkeiten. Man erhält dabei einen guten Überblick über Madras und kann zum Fort St. George und dem Government Museum, wo die Aufenthalte aufreizend kurz sind, später zu ausgiebiger Besichtigung zurückkehren. Die Rundfahrten starten täglich um 14 Uhr vom ITDC-Büro in der Anna Salai Road 154. Auf dem Fahrrad macht es Spaß, über die ebene Marina Parade zu gleiten und von der Promenade im italienischen Stil den Panoramablick auf die stahlgraue Bucht von Bengalen zu genießen, in tiefen Zügen die salzige, weihrauchgefüllte Luft aufzunehmen und Ballonverkäufern, Eseln, Fakiren und Großfamilien zuzusehen. 11 km weiter im Süden erreicht man Elliots Beach, wo das Meer zum Schwimmen einladend genug aussieht. Das prächtige Hotel Connemara, (810051, 82166, Binny’s Road, preisgünstig, war früher Palast eines Nabobs und eine britische Residenz. Heute ist es eine elegante Oase im Geschäftszentrum der Stadt. Die kunstvoll geschnitzte hölzerne Lobby ist angefüllt mit Stücken aus einem aufgelösten antiken dravidischen Tempel, und der Service ist ganz hervorragend. Lassen Sie sich eines der geräumigen, luxuriösen Zimmer aus der Rajzeit im reizenden alten Flügel über dem Pool geben. Zu den Einrichtungen zählen, neben dem wohl besten Buchladen von Madras, eine Reihe von Bars, eine schöne Einkauf sarkade, Reiseschalter, Schönheitssalon, verschiedene, ausgezeichnete Restaurants, ein Coffeeshop und eine Konditorei. Zwei andere Fünf-Sterne-Hotels mit ähnlichen Zimmerpreisen findet man nahe dem Stadtzentrum. Das Welcomgroup Chola Sheraton, C 473347, Cathedral Road 10, verfügt über Einrichtungen für Geschäftsreisende, einen schönen Swimmingpool, eine Auswahl an Restaurants (einschließlich des besten der Stadt für Gerichte von der Nordwestgrenze). Von den Zimmern im obersten Stockwerk hat man den eindrucksvollsten Blick auf die Stadt. Das Taj Coromandel, (474849, Nungambakkam High Road 17, bietet, ungeachtet seines tristen Beton- äußeren, luxuriöse Unterkunft. Auch hier sind die Zimmer im obersten Stock die besten. Aus den verschiedenen Restaurants des Taj sticht das Mysore hervor, das Mogulgerichte und indische Regionalspezialitäten serviert und in dem abends Bharatanatayam-Tänzer und Musiker auftreten. Das Welcomgroup Adayar Park, C 452525, Mowbray’s Road 132, teuer, liegt 15 Minuten außerhalb der Stadt und ist wegen seines Komforts und seiner Effizienz bei Geschäftsreisenden beliebt. Zu den Einrichtungen gehören ein ausgezeichnetes indisches und ein chinesisches Restaurant, ein Fitneßcenter und ein großer Swimmingpool, an dem abends Barbecues stattfinden. Zu den zentral gelegenen und billigen Hotels gehören das Hotel New Victoria, 847738, Kenneth Lane 3, Egmore, und das Hotel Imperial, C 847076, Whannels Road, Egmore, inmitten liebenswürdiger Gärten und Höfe. Beide haben gute indische, chinesische und europäische Restaurants. Trotz eintönig praktischer Ausstattung bietet das ein bißchen billigere Hotel Maris, (470541, direkt neben dem Chola Sheraton, gute Unterkunft. Im abgelegeneren Mylapore warten an der Dr. Radhakrishnan Road zwei verläßlich gute, saubere und billige Hotels: Das Hotel Savera, (474700, (Nr.69), und das New Woodlands Hotel, C 473111 (Nr.72), mit einem ausgezeichneten, billigen, südindischen Vegetarierrestaurant. In der sehr billigen Kategorie ist das bei
weitem beste Hotel das Broadlands Lodge, (845573, 848131, Vallabha Agraham Street 16, gegenüber Star Talkies in Triplicane. Diese Oase für Reisende ist ein untadeliges, altes, maurisches Kaufmannshaus mit pastellblauen Fensterläden, einfachen Zimmern, einem Sonnendach, einem friedlichen Gartenhof voller Liegestühle und Schaukeln, Zimmerservice und gekochtem und gefiltertem Wasser. Mr. Kumar, der Besitzer, ahnt, was sich der Reisende wünscht: Hier kann man internationale Anrufe tätigen, Wertsachen und Gepäck in Verwahrung geben, Fahrräder mieten und die reich ausgestattete, mehrsprachige Bibliothek benutzen. Man kann zwischen Einzelzimmern, Doppelzimmern mit Bad und dem begehrten Dachhäuschen wählen. Beim Sonnenbaden auf der Dachterrasse blickt man auf eine große, moderne Moschee. Broadlands Personal ist eine Auswahl an Charakteren, speziell der rundliche, ulkige Laxmiah, ein Friseur/Masseur mit einer ledernen Arzttasche aus den zwanziger Jahren, die mit vorsintflutlichen Scheren und Schönheitswässerchen gefüllt ist an einem Fünftagesbart oder einem schmerzenden Rücken wirkt er jedoch Wunder. Wenn Broadlands ausgebucht ist, kann man andere gute wirtschaftliche Herbergen ausprobieren: Das Tourist Home, C 844079, Gandhi Irwin Road 21, das YMCA, Westcott Road, gegenüber dem Royapetha Hospital, das einfache, saubere Einzelzimmer an beide Geschlechter vermietet, und das YWCA Guest House and Camping Ground, C 34945, Poonamallee High Road 1086.
