Februar 25th, 2009 von Julia

Das Zeitalter des Weltherrschaftsstrebens unserer Tage, läßt man nicht ohne Grund mit dieser Besitzergreifung Ägyptens durch England beginnen. Einen parallelen Schritt tat in der gleichen Zeit Frankreich, indem es neben Algier nun auch auf Tunis (1881) seine Hand legte, das Gebiet, das die Italiener als ihre Zukunftskolonie anzusehen sich gewöhnt hatten. Was nun folgte und was im Ersten Weltkrieg seinen Gipfel erreichte, war ein Wettkampf zwischen den europäischen Großmächten um den Besitz der noch selbständigen mohammedanischen Länder als begehrte Ausbeutungsobjekte. Die beiden großen Bündnissysteme der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, deren unversöhnliche Gegensätze schließlich zur kriegerischen Entladung führten, zogen das Mittelmeer im Geiste des Imperialismus rücksichtslos in ihren Bann; ja sie wurden beinahe mehr durch mittelmeerische als durch kontinentale Fragen in Atem gehalten, und die orientalischen und nordafrikanischen Verhältnisse standen dabei im Vordergrund. Marokko, Tripolitanien, Arabien, Syrien und Mesopotamien waren die Namen, welche die europäische Diplomatie beschäftigten. Auf dem Balkan aber wirkte, von den dortigen selbständig gewordenen Völkern verkörpert, komplizierend noch das nationale Prinzip ein, das bestrebt war, die unfertige Entwicklung auf Kosten der Türkei und auch des österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaates zum Abschluß zu bringen. Nachdem sich die Auseinandersetzungen jahrzehntelang in diplomatischem Rahmen gehalten hatten, weil die Gefahr eines Weltbrandes allen Mächten Reserve auferlegte, brachte die Besitzergreifung Marokkos seitens Frankreichs, dem Spanien unter britischer Patronage zur Seite trat, den Stein ins Rollen. Ein Schlag reihte sich nun an den andern. Italien, das sich nach der Wegnahme Tunesiens der deutsch-österreichischen Bündnisgruppe angeschlossen, danach aber wieder Frankreich genähert hatte, besetzte daraufhin Tripolitanien (1911), auf das ihm die Ententemächte eine Anwartschaft erteilt hatten, und der gegen die Türkei vom Zaune gebrochenen Krieg riß im Orient den Pflock aus dem Getriebe. Die Balkanvölker setzten, von Russland angetrieben, mit Waffengewalt ihre nationalen Forderungen gegen den Sultan durch, und wenn sie dann auch untereinander über die Verteilung der Beute in Streit gerieten und sich die Ausscheidung von Albanien als Pufferstaat gefallen lassen mußten (1912), so schien doch die Türkei, der auf europäischem Boden nur Istanbul mit der nächsten Umgebung verblieben war, nun zur Aufteilung in europäische Interessenzonen reif. Dies umso mehr, als eine nationale Bewegung in den arabischen Ländern vom Taurus bis zum Indischen Ozean, die von den Ententemächten gefördert wurde, auch in Asien seinen Bestand in Frage stellte.

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