Februar 25th, 2009 von Julia

Zwei Momente gingen bei dieser Entwicklung Hand in Hand und bereiteten eine Wende vor. Auf der einen Seite fiel das türkische Großreich in sich zusammen. Bald handelte es sich für die europäischen Völker nicht mehr um die Abwehr des gefürchteten Feindes der Christenheit, sondern um die Frage der Aufteilung  des Osmanen reiches. Auf der anderen Seite machte die Konsolidierung der nordeuropäischen Großmächte auf nationaler Grundlage ständige Fortschritte, und mit ihrem Hinübergreifen über die Meere wurde auch das Mittelmeer Gegenstand ihrer politischen und wirtschaftlichen Herrschaftsbestrebungen sowie Schauplatz ihrer kriegerischen Auseinandersetzungen. Und immer wieder wuchsen dabei aus der Vormachtstellung eines Staates universale Herrschaftstendenzen heraus. Auf die Weltreiche Kaiser Karls V. und König Philipps II. von Spanien folgte so das Universalreich Ludwigs XIV. von Frankreich.Seit der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert faßten die Niederländer und Engländer als die führenden Seemächte der Zeit festen Fuß im Mittelmeer. Frankreich konnte sich nur auf Grund seiner traditionellen Freundschaft mit den Türken in seiner Stellung behaupten, und wie auf den Weltmeeren gelang es England auch, von der Straße von Gibraltar bis Alexandria und Konstantinopel das Übergewicht an sich zu reißen. In weitem Abstand entfaltete sich der Donaustaat Österreich, der seit seinem Sieg über die Türken als der Großmachterbe des überalterten Venedig von Triest her in den levantinischen Gewässern an der Handelskonkurrenz Anteil suchte. Schon erhob sogar das kleine Savoyen, das später die nationale Einigung Italiens durchführen sollte, sein Haupt. Von Nordosten her aber schob sich Rußland, das neue slawische Großreich Peters des Großen, breit in den Mittelmeerraum hinein, während des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geradezu die Entwicklung des östlichen Gebiets beherrschend und von dem Verlangen erfüllt, sich selbst an die Stelle der Türkei zu setzen. Europa und seine Interessen waren somit allein für die Geschichte des Mittelmeerraums bestimmend geworden. Vorderasien spielte bei der Ohnmacht des Osmanischen Reiches nur noch eine passive Rolle. Nordafrika griff zwar aktiv in die Entwicklung ein, aber nicht fördernd, sondern eher hemmend und zerstörend. Dort hatte sich, zumal in den türkischen Tributärstaaten Algier, Tunis und Tripolis, im 16. Jahrhundert ein üppig blühendes Seeräuberwesen ausgebildet, und die Zwietracht in der europäischen Staatenwelt erlaubte den Piraten fast ungehinderte Aktivitäten. Selbst die seegewaltigen Großmächte sahen sich genötigt, durch einen jährlichen Tribut sich die freie Schiffahrt von den Korsaren zu erkaufen. Die Machthaber dieser locker organisierten Seeräuberstaaten benutzten den Niedergang des Osmanischen Reiches schließlich, um sich ganz frei zu machen. Auch auf der mohammedanischen Seite setzten Absonderung und Zersplitterung ein.

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