landschaften am Mittelmehr
Infolge der Gliederung des Mittelmeergebiets in Einzelländer, Halbinseln, Inseln, Steg- und Saumländer sowie seiner weiteren Aufsplitterung in eine Unzahl Landschaften von ausgeprägter Eigenart tritt der mediterrane Mensch in Anpassung an diese Lebensräume dem Reisenden in einer großen Mannigfaltigkeit entgegen. Mit Ausbreitung des Römischen Reiches und seiner vereinheitlichenden Kultur haben sich die Tochtersprachen des Lateinischen den Nordwestraum erobert und in ihm auf die Dauer zu halten vermocht. Überraschend ist die Anpassung der Sprachbereiche der Portugiesen, Spanier, Katalanen, Provenzalen, Franzosen und Italiener an die landschaftliche Gliederung des Gebietes. Im Osten gehört dieser romanischen Sprachengruppe nur das Rumäsche an. Gleich den Romanen bilden auch die Südslawen (Slowenen, Kroaten. Serben, Makedonier, Bulgaren), Albaner und Griechen, die übrigen Balkanvölker, Glieder der indogermanischen Sprachenfamilie. Griechen und Albaner stellen frühe Wellen, die Südslawen eine spätere dar, welche die Balkanhalbinsel, wie die Italiker Italien, die Kelten die Iberische Halbinsel, überflutet haben.
Die zweite große Völkerfamilie des Mittelmeergebietes sind die Hamito-Semiten in Vorderasien und Nordafrika. Die ältere einst geschlossene hamitische Schicht lebt in den Kopten Ägyptens, vor allem aber in den Berbern. Im ganzen Raum der Tafelländer Vorderasiens, in Ägypten und über weite Gebiete Nordafrikas, sich hier mit den Berbern mischend, haben sich die Araber zur Zeit der Expansion des Kalifenreichs verbreitet. Die arabische Sprache glie- dert sich in das Südarabische und das Nordarabische. Als der Islam sich im 7. nachchristlichen Jahrhundert von der Arabischen Halbinsel nach Asien und Afrika ausbreitete, wurde das Nordarabische vorherrschend. Die gesprochene Sprache unterscheidet sich in den einzelnen Ländern beträchtlich; fünf Hauptgruppen haben sich im Laufe der Zeit herausgebildet: Halbinsel-Arabisch, Irakisch, Syrisch-Palästinensisch, Ägyptisch und Maghrebinisch. Diese Dialekte weichen stark voneinander ab, so daß sich Bewohner verschiedener Regionen oft nur schwer miteinander verständigen können; daher kommt der Schriftsprache eine besondere Bedeutung zu. Das in der Türkei gesprochene Türkische ist der westliche Ausläufer der türkisch-tatarischen Sprachfamilie. Jahrhundertelang galt die arabische Schrift; 1928 wurde dann das lateinische Alphabet, versehen mit einigen diakritischen Zeichen, eingeführt. In dem jungen Staate Israel ist seit 1948 das Neuhebräische (Iwrith) Amtssprache.Bezeichnend für die Gliederung des Mittelmeergebietes in Kulturlandschaften sind dieAreale der Religionen, die einen guten Teil der Kultur ausmachen. Das Christentum ist in geschlossener Verbreitung auf Südeuropa beschränkt. Das Dinarische Gebirge bildet innerhalb dieser Region die Scheide zwischen dem westlichen Gebiet der römisch-katholischen und dem östlichen der griechischorthodoxen Lehre. Nur inselhaft stößt es in Syrien, dem Libanon, Ägypten und in den Atlasländern in die Zone des Islams vor, der den ganzen mediterranen Länderkranz Vorderasiens und Nordafrikas einnimmt, jedoch auch seinerseits noch Außenstellungen innerhalb Südosteuropas in Thrakien, Bulgarien, Makedonien, Albanien, Bosnien und der Herzegowina hält. Auch dem Kulturlandschaftsbild hat diese Verbreitung der Religionen bestimmte Züge aufgeprägt. Das Gebiet des Islam deckt sich mit dem der orientalischen winkligen Stadtgrundrisse, des vergitterten mohammedanischen Hauses, das in später christlich gewordenen Gebieten entgittert wurde, aber seine Erker behalten hat, dem der Basare und Moscheen. In den Steppen Afrikas und Vorderasiens erstreckt sich die Verbreitungszone des Islam über die Hauptgebiete des Nomadismus. Das römisch-katholische Mittelmeergebiet unterscheidet sich durch seine imposanten Kirchen- und Klosterbauten von dem griechisch-orthodoxen, in dem die Kirchen im Siedlungsbild stark zurücktreten, dafür aber Klöster und Einsiedeleien eine besondere Stellung, meist in auffälliger Schutz- und Rückzugslage (Mönchsrepublik Athos, Meteoraklöster, Megaspiläon), einnehmen. Der Wunsch, kulturell interessante Stätten kennenzulernen, und die Aussicht auf warmes, sonniges Wetter locken jährlich unzählige Urlauber in die Mittelmeerländer. Der Tourismus spielt daher für die Wirtschaft dieser Staaten als Einnahmequelle eine bedeutende Rolle. Sowohl auf die Bewohner der Mittelmeeranrainerstaaten selbst als auch auf die Feriengäste üben die Küstenregionen eine besondere Anziehungskraft aus. Zwangsläufig gelangen so allenthalben beträchtliche Mengen von Abwässern in das Meer, ganz zu schweigen von der Umweltbelastung durch die expansive Industrieansiedlung im Bereich der Häfen und Städte. Die Wirkung der Schadstoffe wird durch den Umstand erhöht, daß der Wasseraustausch zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantischen Ozean gering ist. Nicht zu verkennen sind die Anstrengungen etlicher Mittelmeerstaaten, die der Wasserverschmutzung entgegenwirken sollen. Nicht minder bedenklich sind mancherorts die Beeinträchtigungen der Uferlandschaften durch übereilte und übertriebene Baumaßnahmen im Hinblick auf eine rasche Ausweitung touristischer Kapazitäten.
