Februar 27th, 2009 von Julia

Ägypten hat sich allerdings durch seine behutsame Nahostpolitik im arabischen Lager weitgehend isoliert, und letztlich ist der Erfolg der Politik Kairos von Zugeständnissen der gemäßigteren arabischen Führer und einem Nachgeben Israels in der Palästinenserfrage abhängig. Einer der Hauptanführer der arabischen Front gegen Israel und radikaler Gegner der Vereinbarungen von Camp David, der Libyer Gaddafi, verfolgt mit Verbissenheit den Gedanken der panarabischen Einheit; doch scheiterte er mit seinen Vorstößen in Ägypten und Tunesien. Auch Syrien verhält sich bisher gegenüber Kairo und Jerusalem unnachgiebig. Zur Unruhe im östlichen Mittelmeerraum trägt auch die Krise im Libanon bei. Am Schnittpunkt christlicher und mohammedanischer Welt gelegen, kam es in diesem Land wiederholt zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, die sich nach 1970, nachdem sich die libanesische Führung verstärkt gegen Israel wandte, zu einem blutigen Bürgerkrieg zwischen den eher rechtsgerichteten Falangisten und linksgerichteten Muslims sowie Palästinensern entwickelten, bis 1975 die Einheit des Landes zerbrach. 1976 sah sich Syrien zum Eingreifen im Libanon veranlaßt; auch Israel überschritt die gemeinsame Grenze wiederholt zu Kampfhandlungen.
Die Entwicklung im Krisengebiet Naher Osten ist in vollem Gange. Es ist nicht abzusehen, ob letztlich die Tauben oder die Falken die Oberhand gewinnen werden. Trotz einiger positiver Ansätze scheint angesichts der Verschlechterung des internationalen Klimas eher Skepsis angebracht zu sein, zumal die weltweite Energieverknappung den Ländern dieser Region eine Sonderstellung in den strategischen Planspielen der Großmächte zukommen läßt. In den europäischen Mittelmeerländern ist zu Beginn der achtziger Jahre die Lage gekennzeichnet von dem Bemühen um internationales Gleichgewicht zwischen den großen Blöcken in Ost und West einerseits und um einen Ausgleich mit den Ländern der Dritten Welt andererseits, außerdem von der Suche nach einem eigenen Profil und größerem Einfluß Europas in der Weltpolitik, ferner vom Ringen um die europäische Einigung, das aber vor Rückschlägen nicht sicher ist und von der Suche nach Wegen, die derzeitige weltweite Energiekrise mit allen damit verbundenen Problemen zu meistern. Angesichts der Komplexität der Lage sind die Europäer zusammengerückt. Griechenland wird der Europäischen Gemeinschaft beitreten, Spanien bemüht sich um eine Aufnahme in die EG und erwägt einen NATO-Beitritt.
Die kleiner gewordene Welt bringt es mit sich, daß Krisensituationen in fernen Ländern, auch außerhalb des Mittelmeergebietes, bis nach Europa und in den Mittelmeerraum hereingreifen, wo wichtige Verkehrswege zusammenlaufen, wo US-amerikanische und sowjetische Flottenverbände ständig präsent und wichtigste Partner der NATO angesiedelt sind. Heute wie vor Jahrtausenden ist das Mittelmeer ein Brennpunkt des Weltgeschehens, ein politischer wie kultureller Hauptschauplatz, der für die Zukunft der Völker, nicht nur der Anrainerstaaten, eine zentrale Rolle spielt.

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