März 25th, 2009 von Julia

Unter diesem seltsamen Namen, der eher an russische Emigranten denken läßt, werden alle Hawaiianer weißer Hautfarbe zusammengefaßt (275 000). In der Umgangssprache sind sie besser unter der Bezeichnung haole bekannt (d. h. jemand, der sich wie ein Weißer aufführt). Etymologisch hat dieser aus ha (Atem) und ole (ohne) zusammengesetzte Begriff die Bedeutung von lebloses Wesen, weil die Hawaiier nicht glauben konnten, daß in diesen bleichgesichtigen Körpern ein Lebensatem vorhanden sein könnte. Diese haole bzw. ihre nach Hawaii eingewanderten Vorfahren aus verschiedenen europäischen Ländern, überwiegend jedoch aus Amerika, zerfallen wieder in verschiedene Untergruppen: die lokalen oder kama’aina (Kinder des Landes) haole als die echten, seit Generationen ansässigen Weißen; die mainland haole als die vom amerikanischen Festland in jüngerer Zeit zugewanderten Amerikaner; die aus Mischehen hervorge- gangenen hapa-haole oder Halb-haole und die haole schlechthin, zu denen alle malihini (Neuankömmlinge) und auch Besucher jeglicher Herkunft weißer Hautfarbe zählen. Numerisch stellen die Kaukasier seit der Überrundung der Japaner Mitte der siebziger Jahre infolge anhaltender Zuwanderung vom Festland die stärkste Gruppe dar. Ihre Einwanderung begann schon bald nach der Entdeckung Hawaiis Ende des 18. Jh. Den Missionaren folgten Geschäftsleute, Pflanzer, Seeleute von den Walfangschiffen. Infolge strenger Niederlassungsbestimmungen ist die Zuwanderung in jüngster Zeit auf Amerikaner beschränkt worden, die den Lebensstil zunehmend amerikanisiert haben. Unter den Nicht-Amerikanern sind die Portugiesen am stärksten vertreten. Seit 1878 sind sie, vornehmlich von Madeira und den Azoren kommend, in mehreren Wellen eingewandert und stellten um 1900 die stärkste Gruppe innerhalb der weißen Bevölkerung dar. Mit der Einführung der gitarreähnlichen ukulele leisteten sie einen bedeutenden Beitrag zur neohawaiischen Kultur. Ansonsten haben die Portugiesen  von Straßennamen und der achteckigen Kirche in Kula auf Maui abgesehen  wenig sichtbare Spuren hinterlassen.
Ein beachtliches Kontingent stellen die seit der Jahrhundertwende eingewanderten Puertoricaner dar, die aber nicht als eigenständige Gruppe in Erscheinung treten. Völlig assimiliert haben sich die einstmals hauptsächlich für die Zuckerrohrpflanzungen als Aufseher, aber auch als Tagelöhner angeheuerten Deutschen, Österreicher, Norweger, Italiener und Russen. Näheres über die Gruppe der deutschsprachigen Einwanderer ist im Kapitel »Hawaiis Beziehungen zu den deutschsprachigen Ländern« nachzulesen. In dieser kosmopolitischen Welt, in der jede Volksgruppe eine Minderheit ist und Rassenunterschiede nicht mehr Anlaß für wirtschaftliche oder soziale Diskriminierung sind, hat sich eine Atmosphäre der Toleranz herausgebildet, wie sie nur selten auf dem amerikanischen Festland anzutreffen ist. Konflikte, sofern solche in der Vergangenheit aufgetreten sind, hatten kaum rassistische Ursachen. Schwarze Amerikaner sind allerdings mit weniger als 1 % nur gering vertreten. Wer sich nur auf der Hauptinsel - und hier speziell in Honolulu und Waikikiaufhält, wird dieses bodenständige Völkergemisch kaum wahrnehmen. Erst wenn man auf den anderen Inseln, wie der Großen Insel (Hawaii), Kauai, Lanai und Molokai, über Land und in die Dörfer fährt, wird man mit dieser Besonderheit konfrontiert. In einigen dieser Sied- lungen leben schon seit Generationen geschlossene Volksgruppen, die den Lebensstil ihrer Heimatländer unverfälscht bewahrt haben.

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