Mitteldalmatinien Hvar
Die vor der mitteldalmatinischen Küste zwischen Split und Dubrovnik gelegene Insel Hvar ist mit ihrer Länge von 68 km die längste Insel Kroatiens. Das Südufer mit unbewaldeten Bergen fällt steil ab; das flachere Nordufer ist sehr buchtenreich. Im Innern zahlreiche Weingärten, Ölbäume sowie Rosmarin- und Lavendelpflanzungen. Höhlenfunde weisen eine Besiedlung schon in der Jungsteinzeit nach. 385 v.Chr. gründeten Griechen auf der Insel die Siedlung Pharos und kurz darauf die zweite Ansiedlung Dimos an der Stelle der heutigen Stadt Hvar. 235 v.Chr. gelangte die Insel in den Staatsbereich des illyrischen Königs Agron. 219 v.Chr. landeten die Römer, die bis zum 7. Jahrhundert n.Chr. das Sagen hatten. Nun wurde die Insel von Slawen aus dem NeretvaGebirge besiedelt. Von 870 bis 886 gehörte Hvar zum byzantinischen Reich, dann hatten wieder die slawischen Neretvaner das Heft in der Hand. Im 11. Jahrhundert regierten die kroatischen Könige Hvar, 1145-64 gehörte die Insel erstmals zum venezianischen Reich, dann 1164-80 zu Byzanz. Von 1180 bis 1278 regierten die ungarisch-kroatischen Könige, die anschließend wieder von den Venezianern abgelöst wurden. Von 1358 bis 1420 war Hvar erneut unter der Oberhoheit der ungarisch-kroatischen Könige, dann gehörte die Insel zu Bosnien und schließlich zur Republik Dubrovnik. Von 1420 bis 1797 war Hvar wieder unter venezianischer Oberhoheit. Von 1797 bis 1806 unterstand Hvar Österreich, 1806-13 Frankreich, 1813 bis 1918 erneut Österreich. Von 1918 bis 1922 dauerte die Besetzung durch Italien; dann fiel die Insel an das Königreich Jugoslawien. Im April 1941 besetzten italienische Truppen die Insel, die nach der Kapitulation Italiens 1943 durch deutsche Verbände abgelöst wurden. Im September 1944 eroberten jugoslawische Partisanenverbände Hvar. Die Personen- und Fährschiffe, die Schnell- und die Tragflügelboote von Split laufen den an der Nordküste jenseits des Berges Trtdava gelegenen Naturhafen Vira an, damit der Auto-, Lkw- und Busverkehr von der 3 km entfernten Stadt Hvar ferngehalten wird. Ein zweiter Zielhafen der Schiffe von Split ist Stari Grad. Schließlich besteht auch noch eine Fährverbindung zwischen Drvenik auf dem Festland und dem ganz im Süden liegenden Inselort Su Ouraj. Der Hauptort Hvar liegt in einer geschützten Bucht der Südwestküste. Durch das Seetor betritt man den Hauptplatz. Links der Dom aus dem 16. Jahrhundert mit stattlichem Glockenturm (17. Jh.). Im Inneren wertvolle Bilder, so u.a. eine -Madonna mit Heiligen” (Domenico Umberti, 1692), -Madonna mit dem Kinde” (Pisaner Schule des 13. Jh.), “Pietä” (etwa 1520) und “Muttergottes mit Heiligen” (J. Palma d. J., 1626/27). Die Schatzkammer der Kathedrale verwahrt als kostbarstes Stück den vergoldeten Stab des Bischofs Pritid von 1509. Auf dem Hauptplatz vor der Kathedrale steht der große Stadtbrunnen von 1529. Die Südseite des Platzes begrenzt das Arsenal (13.-17. Jh.) mit einem weiten Rundbogen, der früher einer Galeere die Einfahrt erlaubte. Im 1. Stock des Gebäudes wurde 1612 ein kleines Theater eingebaut (heute Museum). Beim Weitergehen zum Hafen erreicht man rechts das Hotel Palace, einst ein venezianischer Palast, mit prachtvoller Fassade, Loggia und Uhrturm. Vom rechten Hafenbecken führen Wege durch den hübschen Stadtpark zu den nördlich Hvar gelegenen modernen Hotelkomplexen. Man erreicht die bergwärts gelegene Ruine eines Klosters, in dessen Mauern während des Sommers Konzerte und Theateraufführungen stattfinden. Zurück zum Hafenbecken: Hier beginnt der Aufstieg zum über der Stadt gelegenen spanischen Fort (Kabinenbahn geplant; Bus- Pendelverkehr zum Hafen bis 1 Uhr früh). Von der Festung : Blick über Hafenbecken und alte Stadt zu den Vorgelagerten ‘Dakienlinsein (Pech- oder Teufelsinseln). Weiter nördlich und noch etwas höher eine von den Franzosen erbaute Festung, die gut erhalten, aber nicht zugänglich ist (Radarstation, militärische Anlagen). Vom Hauptplatz erreicht man auf der südöstlichen Seite an der Kaimauer entlang das 1571 errichtete, nach der Zerstörung durch die Türken (1571) wiederhergestellte Franziskanerkloster mit sehenswerter Kirche (im Inneren Bilder von Bassano, Palma d.J. und Santa Croce) und einem als Museum eingerichteten Refektorium ( “Abendmahl” von Matteo Rosselli, 1578-1650; Bilder von Tizian und Tiepolo; ferner Meßgewänder, Inkunabeln u.a.). Hinter dem Refektorium ein kleiner Garten mit einer 300jährigen Zypresse. Stari Grad, das alte Pharos, erreicht man über eine kurvenreiche Bergstraße. Es liegt an einer weit ins Land einschneidenden Bucht; die Hotelanlagen befinden sich weiter außerhalb. Der alte Hafenort besitzt fünf Kirchen, drei davon sind halb verfallen. Viele der alten Häuser sind zu Feriendomizilen ausgebaut worden. Die Stadt birgt Zeugnisse aus allen geschichtlichen Epochen: Zyklopensteine der Illyrer, römische Mosaiken, alt-christliche Taufbecken. Am interessantesten ist der Landsitz des kroatischen Renaissance-Dichters Petar Hektorovid, im 16. Jahrhundert in einer früheren Türkenfestung eingerichtet. Im Innenhof ein Bassin, das durch eine Rohrleitung mit dem Hafenbecken verbunden ist. Vrboska liegt sehr hübsch im äußersten Winkel einer engen Bucht zwischen Kiefernwäldern und Weinbergen. Der Ort besitzt zwei Kirchen, die eine davon zugleich frühere Festung. Im Inneren ein Bild, das Tizian zugeschrieben wird. Jelsa ist im Zentrum ein verträumtes Nest geblieben. Die Hotelanlagen liegen abseits vom Hafen rechts und links auf den bewaldeten Berghängen. Einen Besuch wert ist die Grotte Grapöeva (Boote vom Hafen aus), in der man prähistorische Gegenstände gefunden hat.
