Birma
Birma, englisch Burma (amtlich Soshelit Thamata Pyidaungsu Myanma Nainggan Daw = Sozialistische Republik der Union von Birma), liegt zwischen 10° und 28°30′ nördlicher Breite sowie 29° und 101° östlicher Länge, erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 676552 km² und ist damit annähernd dreimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Geographisch gehört das Land zu Hinterindien. Es grenzt im Osten an Thailand und Laos (Goldenes Dreieck), im Norden und Nordosten an die Volksrepublik China (autonomes Gebiet Tibet und Provinz Yunnan), im Westen an Indien, Bangladesch und den Golf von Bengalen, im Süden mit dem Golf von Martaban an die Andamanensee. Zwei lange Gebirgszüge, die von der Südostecke des tibetischen Hochlandes ausgehen, durchmessen Birma von Norden nach Süden. Der westliche beginnt im Namkiugebirge (bis über 5800 m), verläuft bei abnehmender Höhe als Patkoigebirge (bis über 3800 m) und als Arakangebirge (bis über 3000 m) bogenförmig bis zum Kap Negrais, wo er abbricht, um drei Breitengrade weiter südlich in der zu Indien gehörenden Inselgruppe der Andamanen wieder aus dem Meer aufzutauchen. Der östliche Gebirgszug, welcher die Stromgebiete von Irawadi und Saluön voneinander scheidet, bildet östlich der Stadt Mandalay das annähernd 2000 m hohe Shan-Plateau und findet im Süden seine Fortsetzung auf der Malaiischen Halbinsel. Dazwischen streichen mehrere kleinere Bergketten ebenfalls in nordsüdlicher Richtung, so der Höhenzug zwischen dem oberen Irawadi und seinem großen Nebenfluß Chindwin sowie jener zwischen dem unteren Irawadi und dem Sittang. Birmas Hauptstrom und wichtigste Verkehrsader ist der über 2000 km lange I rawadi (Irrawaddy). Er hat zwei Quellflüsse, die sich nördlich von Myitkyina vereinigen, nimmt nach etwa der Hälfte seines Laufes den bedeutenden Fluß Chindwin auf und durchfließt großenteils fruchtbaren Alluvialboden, der mit Wäldern und Reisfeldern bedeckt ist. An der Mündung bildet der Irawadi ein siebenarmiges Delta von etwa 30000 km’ Ausdehnung, mit dem sich östlich jenes des Sittang vereinigt. ? Der zweite Hauptstrom des Landes, der Saluen (Salween), kommt aus Tibet, durchzieht in seinem mittleren Lauf die chinesische Provinz Yunnan und fließt im unteren Teil durch birmanisches Gebiet. Sein enges und tiefes Tal ist spärlich besiedelt, seine Schiffbarkeit gering. Er mündet bei der Stadt Moulmein in den Golf von Martaban. Das Klima ist vom Monsun bestimmt. Der Wendekreis des Krebses verläuft rund 160 km nördlich von Mandalay durch Zentralbirma. Damit liegt der größte Teil des Landes im tropischen Bereich. Drei Jahreszeiten gliedern das Jahr: Die größte Hitze fällt in die Monate März bis Mai, dann folgt mit dem Hereinbrechen des Monsuns die Regenzeit während der Monate Juni bis Oktober. Der Winter dauert mit gemäßigten Temperaturen von November bis Februar. Die klimatischen Bedingungen variieren freilich stark von Region zu Region. Während die Temperaturen in der heißen Jahreszeit um Mandalay bis auf über 38°C ansteigen, bleiben sie auf den Höhen des Shan-Plateaus um Maymyo und Taunggyi stets erträglich. Auch die Niederschläge verteilen sich sehr unterschiedlich über das Land. Der Monsun führt vom Indischen Ozean feuchte Luft und Wolken heran, die sich an den Gebirgsbarrieren von Arakan und Tennaserim abregnen. Über Zentralbirma hingegen, das sich auf der Leeseite dieser Küstengebirge etwa 300 km nördlich von Rangun erstreckt, streichen diese Winde hinweg. So sind denn auch die größten Niederschläge mit über 5000 mm im Jahresdurchschnitt an der Küste zu verzeichnen. Rangun und das Deltagebiet halten mit 2500-3000 mm pro Jahr einen Mittelwert; in der Trockenzone Zentralbirmas sinken sie auf nur etwa 500-1000 mm pro Jahr ab. Der Beginn der Monsunzeit im Mai bringt gewöhnlich nach der großen Hitze eine willkommene Abkühlung, doch wird die Luft dann sehr feucht. Der Regen geht vorwiegend am Nachmittag und Abend nieder, und es ist angezeigt, stets einen Schirm mit sich zu führen. Der Winter ist die angenehmste Zeit für einen Besuch des Landes. Die Temperaturen können dann in Mandalay oder Rangun bis auf 16°C absinken, im Bergland ist es stets noch kühler (in Maymyo oder Taunggyi um 5°C). Die Vegetation ist im allgemeinen üppig. Mangrovendickicht an der Küste und tropische Regenwälder mit Palmen, Bambus und immer günen Laubhölzern herrschen in den feuchten Gebieten vor. Weiter landeinwärts gehen sie in Mischwälder und schließlich in Zentralbirma in Savanne, Steppe und Halbwüste über. Die Tierwelt vermittelt zwischen der vorderindischen und der malaiischen Welt. Die dichten Wälder Birmas sind die Heimat des Elefanten, von Schabrackentapir, Tiger, Panther und verschiedenen Affenarten. Unter den Vögeln sind besonders Raben- und Hühnerarten vertreten; bemerkenswert ist der wilde Pfau. Ebenso vielfältig ist die niedere Fauna der Amphibien, Fische und Insekten (besonders Schmetterlinge). Birma zählt rund 36 Millionen Einwohner. Fast drei Viertel der BevöIkerung sind Birmanen, ein mongolides Volk mit tibetobirmanischer Einsilbensprache. Stärkste ethnische Minderheit bilden die im östlichen Gebirgsplateau lebenden Shan (9%), die zu den Thaivölkern gehören. Kulturell stehen sie den Birmanen nach, doch haben auch sie eine eigene Literatur. Sie besitzen ebenso wie die Karen (7%) in Unterbirma zwischen Irawadi und Saluön, ein tibetobirmanisches Volk meist animistischer Glaubensrichtung, und die Kachin (1 %) eigene selbständige Staaten innerhalb der birmanischen Union. Zu den Karen gehören die Padaung, deren Frauen ihre Hälse durch schweren Spiralenschmuck aus Messing so sehr verlängern, dass sie gemeinhin als `Giraffenfrauen’ bezeichnet werden.
