Juni 26th, 2009 von Julia

Macao, portugiesisch Macau, chinesisch Ao Men oder An Men (von `Amagao’ = Bucht der A Ma, der chinesischen Göttin der Seefahrer), ehemals portugiesische Überseeprovinz, heute ‘Territorium unter portugiesischer Verwaltung’, liegt an der südchinesischen Küste rund 70 km südwestlich der britischen Kronkolonie Hongkong an der Westseite des Perlflusses (Kantonfluß), der hier eine weite Mündungsbucht bildet. Das Gebiet erstreckt sich zwischen 22°06′ und 22013 nördlicher Breite sowie 113033′ und 113037′ östlicher Länge. Es umfaßt die 6 km² große Halbinsel Macao mit der gleichnamigen Hauptstadt des Territoriums (urspr. Cidade do Säo Norne de Deus de Macau, Näo Hä Outra Mais Leal) sowie die südlich vorgelagerten und durch eine Brücke bzw. einen Straßendamm mit ihr und untereinander verbundenen Inseln Taipa (3,4 km²) und Das Klima ist subtropisch, das Wetter warm bis heiß (durchschnittliches Jahresmaximum 28°C) und mit einem Niederschlagsmaximum in der Zeit von April bis Oktober. Kühler Seewind macht die heiße Jahreszeit allerdings erträglicher als in Hongkong. Das Winterhalbjahr ist niederschlagsarm und weniger heiß (unter 20°C). Die angenehmsten Wetterverhältnisse findet man im November und Dezember. Die Bevölkerung (ca. 500000 Einw.) besteht zu 98% aus Chinesen; im übrigen gibt es Minderheiten von Portugiesen und Mischlingen (Macaenses). Ein großer Teil der Bevölkerung von Macao sind Flüchtlinge, die während der Besetzung Chinas und Hongkongs durch japanische Truppen im Zweiten Weltkrieg und während der ‘Kulturrevolution’ Mao Tsetungs aus China eingewandert sind. Die Wirtschaft des Territoriums beruht vor allem auf Textilien und Bekleidung, Keramik, elektrischen und optischen Geräten sowie Feuerwerkskörpern. Es überwiegen kleine und mittelständische Unternehmen. Eine sehr große Rolle spielt der Tourismus, namentlich von Hongkong-Chinesen, die zum (in der Kronkolonie verbotenen) Glücksspiel nach Macao kommen. Macao ist die älteste europäische Kolonie in China. Nach militärischen Auseinandersetzungen überließen 1557 die in der Provinz Kanton herrschenden Mandarine den Portugiesen das Gebiet gegen einen Pachtzins. Macao war schon früh ein Missionszentrum, und 1575 wurde die Diözese gegründet, zu deren Bereich die Christenheit in China und Japan gehörte. Im ersten Jahrhundert seines Bestehens wurde Macao durch den Handel mit China und Japan reich, aber schon bald folgte ein stetiger Niedergang, den vor allem die konsequente Abriegelung Japans gegen die Außenwelt verursacht hatte. Außerdem mußten sich die Portugiesen vieler Konkurrenten und auch Piraten erwehren, unter denen sich eine beträchtliche Anzahl von Abenteurern aus Holland und anderen europäischen Ländern befand. Im Jahre 1845 wurde Macao zum Freihafen erklärt (ein Status, der noch heute gilt); die Zahlung der bisher an die Chinesen entrichteten Einfuhr-, Umsatz- und Pachtabgaben wurde eingestellt. Der Gouverneur Joäo Ferreira do Amaral, der im folgenden Jahr eintraf, verfolgte diese Politik weiter, indem er die chinesischen Steuereintreiber verjagte. Sein hartes Regiment führte dazu, daß er später von aufgebrachten Bauern angefallen und getötet wurde. Die Oberhoheit Portugals über Macao und die beiden Inseln Taipa und Coloane erkannte China in einem Vertrag von 1887 ausdrücklich an. Im Gegenzug sagte Portugal zu, Macao und die Inseln niemals ohne Zustimmung Chinas zu veräußern. Als durch die günstigen Bedingungen mehr und mehr Kaufleute vom Chinahandel angezogen wurden, war Macao bald der bevorzugte Sommeraufenthalt vor allem der britischen Handelsherren, die hier den Anbruch der nächsten Saison abwarteten. Im Zweiten Weltkrieg war Macao neutral; 1951 wurde es zur portugiesischen Überseeprovinz erklärt. Im Jahre 1966 gab es bei Demonstrationen für den Anschluß an die Volksrepublik China Tote und Verletzte, aber bald kehrte wieder Ruhe ein. Noch immer scheint China triftige Gründe für eine Beibehaltung des Status quo zu haben. Der Machtwechsel in Portugal, der mit dem unblutigen Militärputsch von 1974 erfolgte, brachte eine Entkolonialisierungsbewegung mit sich. Doch die Volksrepublik China lehnte das Angebot Portugals ab, Macao zurückzugeben. Allerdings erhielt Macao 1976 ein neues Autonomiestatut, das die innere Unabhängigkeit gewährleistet. Macao ist seither ‘Territorium unter portugiesischer Verwaltung’. Noch scheint unklar, ob es das gleiche Schicksal erwartet wie die britische Kronkolonie Hongkong, die am Ende des 20. Jahrhunderts an China zurückfallen wird.

Comments are closed.