Französische Epoche auf Guadeloupe
Um 1635 beschloß Richelieu auf Anraten des Gouverneurs von St-Christophe, Belain d’ Esnambuc, die Insel von Frankreich aus zu kolonisieren. Unter der Führung von Liönard de l’ Olive und Duplessis d’ Ossonville, beide Edelleute aus der Normandie, schiffte sich ein erstes Kontingent ein, bestehend aus Missionaren und Freiwilligen, die den Reisepreis in Form von Dreijahresarbeitsverträgen mit der Compagnie des Iles d’Amörique entrichteten. Die Kolonisation gestaltete sich auf Grund von Meinungsverschiedenheiten der beiden Führer und der feindlichen Haltung der Inselindianer überaus schwierig. Ab 1644 ließ Charles Houäl auf den Inseln des Archipels Zuckerrohr anbauen. Diese arbeitsintensive Kultur führte letztendlich zur Einführung der Sklavenhaltung. 1664 hat man Guadeloupe der neugeschaffenen Compagnie des Indes Occidentales zugeordnet. Nach dem Niedergang dieser Gesellschaft wurde die Insel 1674 zur Domaine Royale. In der ersten Hälfte des 18. Jh.s baute man weitere neue Kulturpflanzen an, zuerst Indigo, dann Baumwolle, Kaffee, Kakao und Tabak. Weitere Arbeitskräfte rekrutierte man aus befreiten Galeerenhäftlingen, Protestanten, leichten Mädchen und afrikanischen Sklaven. Über das Leben auf der Insel im ersten Viertel des 18. Jh.s berichtet übrigens der Dominikanerpater Pöre Labat in seinem 1722 erschienenen Werk “Nouveau Voyage aux Iles de l’Amerique” sehr anschaulich. 1759 und 1763 besetzten die Engländer die Insel. Die Rückgabe an Frankreich wurde jedoch im Frieden von Paris vereinbart. Die Jahre von 1789 bis 1815 waren von den Wirren der Französischen Revolution geprägt. Es kam verschiedentlich zu Kämpfen zwischen Royalisten und Wortführern der neuen Ideen. Die Royalisten riefen die Briten zu Hilfe. Der vom Wohlfahrtsausschuß berufene Kommissar Victor Hugues schlug die Engländer und gab 1794 das Dekret zur Abschaffung der Sklaverei heraus. Unter seiner Herrschaft wurden zahlreiche Pflanzer exekutiert, was für die weiße Bevölkerung Anlaß war, sich zu verstecken oder nach Louisiana auf dem nordamerikanischen Kontinent zu flüchten. Seine rigorosen Maßnahmen bewirkten seine baldige Abberufung. Unter dem von Napoleon eingesetzten General Richepance wurde die Sklaverei 1802 wieder eingeführt. Es folgte eine Epoche reaktionärer Politik. Von 1810 bis 1816 besetzten die Briten mehrmals Guadeloupe. 1848 erfolgte die endgültige Befreiung von der Sklaverei, maßgeblich bewirkt durch Victor Schcelcher, den besonders auf Martinique verehrten Volkshelden. In der zweiten Hälfte des 19. Jh.s bekam die Inselwirtschaft ihr heutiges Gepräge. Große Gesellschaften erwarben über 50 % der nutzbaren Flächen und verpflichteten neben zahlreichen kleinen Kolonisten über 40 000 indische Kontraktarbeiter. Auch Chinesen und Schwarzafrikaner brachte man auf die Insel. In der Folgezeit entflammten nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Herkunft der Bewohner schwere soziale Konflikte, die Autonomiebestrebungen hervorriefen. Während des Zweiten Weltkrieges folgte die Insel zunächst der Vichy- Regierung. Ab 1943 verband sich die Insel mit dem Komitee zur nationalen Befreiung. 1945 wurde Guadeloupe französisches Übersee- Departement und gehört heute als Region Francaise zur Europäischen Gemeinschaft. Seit geraumer Zeit verfechten mehrere z.T. militante Gruppierungen die Loslösung der Insel vom französischen Mutterland.
