Wirtschaft Guadeloupe
Fast ein Drittel der Inselfläche ist von Wald bedeckt, der allerdings aufgrund des bewegten Reliefs nur schwer zu bewirtschaften ist. Der jährliche Holzeinschlag kann den heimischen Bedarf kaum decken. Die rund 800 Fischer landen im Jahr etwa 7500 t Fisch und Meeresfrüchte an, die zum überwiegenden Teil exportiert werden. Die in den letzten Jahren forcierten Industrialisierungsbestrebungen haben bereits einige Erfolge gezeitigt. Industrielles Zentrum ist der Raum Pointe-a-Pitre. Die Zucker- und Rumfabriken, die derzeit aufgrund des schwierig gewordenen Marktes einem schmerzhaften Konzentrationsprozeß unterworfen sind, haben die längste Tradition. In ihrem Gefolge entstanden Getränke- und Konservenfabriken. Zu einem Schlüsselgewerbe hat sich in jüngerer Zeit das Bau- und Ausbaugewerbe entwickelt, mit begünstigt durch die Ansiedlung eines Energieversorgungsunternehmens und einer Zementfabrik. Weitere Impulse für die Industrialisierung wurden durch die Anlage eines 127 ha großen Industrieparks an der Pointe Jarry gegeben. In ähnlicher Weise wird versucht, auch bei Basse-Terre Flächen für neue Industriebetriebe bereitzustellen. Der tertiäre Sektor ist der bedeutendste Wirtschaftszweig auf Guadeloupe. Allein im Groß- und Einzelhandel sind mehrere Tausend Menschen beschäftigt. Wichtige Arbeitgeber sind auch staatliche Ämter, die zudem zeitlich befristete Arbeitsplätze bereitstellen, um vor allem die latente Jugendarbeitslosigkeit in Grenzen zu halten. Zu einer wichtigen Antriebskraft für die heimische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren der Tourismus entwickelt. Dies zeigt schon ein Vergleich von Eckdaten aus der Fremdenverkehrsstatistik. Während 1973 erst 1649 Fremdenzimmer zur Verfügung standen, waren es 1988 bereits weit über 4000. Die Auslastung der Zimmer blieb in diesen Jahren mit einer Quote von 64 % (1973) bzw. 60 % (1988) annähernd konstant. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer verlängerte sich zwischen 1973 und 1988 von 4,3 Tagen auf knapp 6 Tage. Im Jahr 1988 zählte man auf Guadeloupe weit mehr als 1 200 000 Feriengäste und Kurzurlauber. Knapp die Hälfte von ihnen stammten aus dem Mutterland, etwa ein Fünftel aus anderen EG-Staaten, über ein Drittel aus den USA und Kanada und der Rest aus Lateinamerika und Fernost. Die meisten Gäste reisten mit dem Flugzeug an und ab, wobei sich der gut ausgebaute Flughafen Raizet als besonders dienlich erwies. In Raizet wurden 1988 weit über 1 Mio. Passagiere abgefertigt. Ebenfalls im Jahr 1988 besuchten rund 100 000 Kreuzfahrttouristen während eines mehrstündigen Landganges die Sehenswürdigkeiten der Insel und sorgten für eine zusätzliche Belebung des Handels.
